NEUE GRUPPE –
Intern Veneers: State of the art. Adhäsive Versorgung von Frontzähnen.
Workshop von Prof. Dr. Pascal Magne, 45. Jahrestagung der NEUEN GRUPPE in Zürich
Ort: Zürich
Text: Dr. Walter Denner, Fulda
Am 27. Oktober 2011 begann die NEUE GRUPPE ihre 45. Jahrestagung mit einem Highlight: Der Präsident der NEUEN GRUPPE, Dr. Alessandro Devigus präsentierte den Top-Referenten Prof. Dr. Pascal Magne. Magne hielt im Züricher Hotel Marriot einen sehr gut besuchten Workshop ab und berichtete einen Tag lang über die adhäsive Versorgung von Frontzähnen mit Veneers. Es sollte ein Update zu seinem 2002 erschienen Bestseller „Bonded Porcelain Restorations in Anterior Dentition – a Biomimetic Approach“ sein, welches mittlerweile in acht Sprachen erhältlich ist. Wenn Uan ein Schnäppchen machen wollte, so Magne, dann könne man sich die chinesische Ausgabe bestellen: Für nur 30 $ und mit halb so vielen, dafür aber fast durchsichtig dünnen Seiten sei es schon zu haben.
Der gebürtige Schweizer aus La Chaux-de-Fonnier berichtete von seinen Wurzeln und würdigte seine Mentoren Prof. Belser aus Genf und Prof. Douglas aus Minnesota. Mit seinem Bruder Michel Magne ist er seit 2004 in Los Angeles an der University of Southern California als Associate Professor tätig. Mit ihm zusammen gibt er den Workshop „Four days with Magnes“. Diese Fortbildung komprimierte er für uns auf einem Tag mit einem Magne. Er begann sein Fortbildungsprogramm mit dem klinischen Fall einer Frontzahnneuversorgung mit einer Implantatkrone und Veneers. Für ihn ist es essentiell, zuerst die Zähne mit Veneers zu versorgen. Dadurch wird es erst möglich, die Farbe für die Implantatkrone exakt zu bestimmen und diese mit kleine Flügeln im Approximalbereich auszustatten („mini-wings“), um keine schwarzen Dreiecke entstehen zu lassen. Er stellte die minimal-invasive Zahnhailkunde als seinen höchsten Wert vor – die einzig wahren Konzepte seien die, welche die Pulpa am Leben lassen. Die in seinem Buch beschriebenen biomimetischen Prinzipen (Wechselwirkung zwischen Biologie, Mechanik, Funktion und Ästhetik) haben nichts an ihrer Bedeutung verloren. Er verglich den Zahnaufbau mit verschiedenen Restaurationsmaterialien: Zahnschmelz mit Feldspatkeramik, Dentin mit Komposit und die Schmelz-Dentin-Grenze mit Bonding. Beim Thema Bonding macht er keine Kompromisse. Es gäbe weit über hundert verschieden Adhäsive am Markt, aber nur wenige würden richtig gut funktionieren. Die dentale Welt sei beim Adhäsiv in „total-etch“ und „self-etch“ geteilt, wobei er das erstgenannte für besser hält und OptiBond FL von KerrHawe benutzt. Beim „total-etch“ Verfahren wird immer vom Drei-Schritt-Adhäsivsystem gesprochen, jedoch wird dabei ein wichtiger Schritt vollkommen vergessen: das Lichthärten! Damit kommt er zur Frage, wann man beim Einsetzen von Keramikrestaurationen aushärten soll? Wenn man es unmittelbar vor dem Einsetzten aushärtet, passt die Keramik nicht mehr. Das Bonding mit Druckluft so auszudünnen, damit es nicht stört ist auch keine gute Lösung, da es dann aufgrund der Sauerstoffinhibitionsschicht gar nicht mehr aushärten kann. Seine Lösung ist: Härten Sie vor der Abformung! Er nennt es „immediate dentin sealing – IDS“. Er empfiehlt dies für jede indirekte Restauration. Zu diesem Thema wurde schon sehr viel Wissenschaft betrieben, vor allem in Japan, wo es unter dem Begriff „resin coated“ bekannt ist. Bei der Abformung mit Impregum ergeben sich dabei aber Probleme, da die gebondete Oberfläche damit verklebt. Besser seien dafür Abformmaterialien auf Silikonbasis. Zur Reaktivierung beim Einkleben strahlt er die versiegelte Oberfläche mit einem Feinstrahlmittel ab, ätzt die Zahnoberfläche an, trocknet gut und bringt eine zweite Phase des Bondings ( OptiBond FL) auf.
Pascal Magne bespricht die Indikationen für Veneers. Dabei schlägt er den Ausdruck „bonded porcelain restauration – BPR“ als besseren Begriff für Veneer vor. Im übrigen macht er keine „no-prep-veneers“, er sieht darin keinen tieferen Sinn. Er und sein Bruder als Zahntechniker haben gerne eine klar definierte Grenze (0,3 mm reichen bei einer Klasse IV Situation), an der die Restauration endet. Dadurch habe man zwar einen geringen zusätzlichen Substanzverlust, dafür aber eine perfekte Situation beim Einkleben und sehr wenig Probleme bei der Entfernung der Überschüsse. Des weiteren empfiehlt er, am Zahn keinen Opaker zu verwenden, da dies die Haftwerte deutlich verringere.
Als Beispiel einer Standardversorgung eines Zapfenzahns zeigt er einen alten Fall und verdeutlicht an einem anderen Beispiel seine neue Herangehensweise. Bei palatinal eingeschränkten Platzverhältnissen geht er von bukkal mit Keramik und von palatinal mit einem Kompositveneer heran, um maximale Substanzschonung zu erzielen. In Belastungstests zeigt diese bilaminäre Versorgung aus Komposit und Keramik dieselbe Festigkeit wie ein natürlicher Zahn. Bei einem vitalen Zahn könne man mit Veneers die Natur kopieren, bei endodontisch behandelten oder parodontal geschädigten Zähnen sie nur simulieren. Zur Lösung dabei sprach er wieder die approximalen „mini-wings“ an. Dafür dürfe man aber die Schneidekanten niemals mit einer palatinalen Stufe überkuppeln. Durch den Zugang von frontal könne man viel schonender präparieren. Um bei diesem bukkalen Zugang die mini-wings nutzen zu können benutzt er das Komposit, mit welchem er die Veneers zementiert um Übergänge palatinal auszugleichen. An einem Fall mit einer Beobachtungszeit von 18 Jahren verdeutlicht er den Effekt der mini-wings. Er legt Fäden übrigens nur, wenn er schwarze Dreiecke mit den mini-wings schließen möchte. Sonst verzichtet er auf das Fadenlegen bei der Präparation. Bei der Umsetzung in Keramik werden die mini-wings dunkler und opaker gestaltet als der Rest des keramischen Zahnsschmelzes. Ein kleines Detail zur Perfektion der Ästhetik als Update zu seiner damaligen Behandlungsweise sei, mit Komopsit am Nachbarzahn ebenfalls mini-wings anzubringen. Zur Farbe schlägt er A4 oder dunkler bei einer Grundfarbe A2 vor. Dies sei eine weitere Möglichkeit, Keramikveneers mit direkter Komposittechnik zu kombinieren.
Danach ging Pascal auf die Frage ein, um wie viel man die Schneidezähne verlängern könne? Er sagt, bis zu 2 mm seien möglich, jedoch dürfe man die palatinale Konkavität nicht in die Präparation mit einbeziehen. Eine intraorale Simulation mit einem Provisorium böte sich an. Es sei besser, dieses Provisorium solange zu wiederholen, bis die Situation passe, als den ganzen Fall neu machen zu müssen. Eine weitere interessante Möglichkeit um in der vertikalen Platz zu gewinnen, bietet ein aus Komposit angebrachter Jig auf der Palatinalfläche. Nach dem Dahl’s Prinzip kommt es zu einer Extrusion der Seitenzähne. Nach einem Monat Tragezeit haben bereits die Prämolaren wieder Kontakt. Die Molaren kommen ebenfalls mit der Zeit nach. Diese Vorgehensweise führte zu vielen Fragen bei der Diskussion.
Bei Implantatfällen in Kombination mit Veneers zeigt er einen Fall mit einem individuellen metallkeramisch verblendeten Abutment, auf das ein Veneer aufgeklebt wurde. Dadurch kann man aus derselben Feldspatkeramik die Veneers und die Implantatkrone bzw.-veneer herstellen. In Bezug auf Implantate gibt er einen Ausblick in die Zukunft und berichtet von Komposit basierten Abutments. Diese zeigen in Versuchen dieselben Überlebensraten wie Zirkonabutments, fühlen sich aber beim Patienten eher als richtiger Zahn an. Als Material für die CAD/CAM gefrästen Kompositabutments wurden Lava Ultimate Blöcke von 3M benutzt. Um zu untermauern, dass anders denken zu neunen Erkenntnissen führen kann, zeigt er den berühmten Apple Werbefilm „Crazy ones“ zu deren Think different Kampagne aus dem Jahr 1997. Sein Pascal Manges Motto lautet: „Think biomimetic“.
Magne zeigt in vielen weiteren Fällen seine Herangehensweise. Zuallererst tauscht er alte Kompositfüllungen aus, danach werden Silikonabrücke für ein Wax-up genommen. Daraus wird ein Mock-up im Mund aus Provisoriumsmaterial gemacht. Der Patient bekommt aber keinen Spiegel, sondern ein ausgedrucktes Foto, damit er sich nicht seitenverkehrt sieht. Beim Wax-up gilt es, Volumen in den Zahn zu bringen, dadurch sieht er jünger und unverbrauchter aus. Beim perfekten Wax-up haben Wachs und Gipsmodell dieselbe Farbe. Als Tipp bei Zahnfehlstellungen (z.B. Drehstand mit Überlappung): Veneers nicht als schnelle KFO missbrauchen, das führt zum Misserfolg!
Das Mock-up wird individualisiert, bemalt und glasiert. Hier zeigt sich Magnes Hang zum Perfektionismus.
Bei der Präparation dient es auch als Tiefenmarkierungshilfe, wodurch unnötige Substanzverluste vermieden werden. Die Präparation ist immer rund, wobei man im Mund aufgrund von Transluzenzen dies nicht immer sieht. Er hat ein Präparationsset von Komet. Bei der Präparation belässt er seine eigenen Kompositrestaurationen.
Nach der Präparation wird ggf. freigelegtes Dentin versiegelt, Stichwort IDS (= Immediate dentine sealing). Um das Bonding von OptiBond FL präzise aufzutragen, benutzt er eine PA-Sonde. Magne benutzt IDS auch bei nicht retentiven, kurzen Kronenpräparationen. Durch IDS kann man die Retentivität um bis zu 55 % erhöhen.
Provisorium: Magne nimmt keine provisorischen Zement, sondern nutzt die Schrumpfung des Materials zur Befestigung des Provisoriums. Den Halt steuert er über das Ausblocken der Approximalräume mit Wachs. Dadurch bekommt das Provisorium eine interdentale Verankerung. Einziger Nachteil ist die nur einmalige Verwendbarkeit, da es sich nicht mehr reponieren lässt.
Einkleben: Pascal verwendet keinen speziellen Einsetzzement, sondern ein auf 55° erwärmtes Feinhybridkomposit, welches fluoreszierende Eigenschaften hat (Enamel HFO). Von fließfähigen oder dualhärtenten Kompositklebern rät er ab, da erste schlechte mechanische Eigenschaften und letztere eine schlechte Farbstabilität haben. Ebenfalls empfiehlt er das Angebot des Labors auszuschlagen, die Veneers im Labor ätzen und silanisieren zu lassen, da dies die Einprobe nicht übersteht.
Vorbehandlung der Keramikveneers: Die Veneers werden nach der Einprobe mit Flusssäure geätzt, wobei Feldspatkeramik für 90 Sekunden mit 10 % HF-, andere Werkstoffe, wie z. B. E-max mit 5% HF- für 20 Sekunden. Danach mit Phosphorsäure abwischen und für 2-4 Minuten ins Ultraschallbad. Es dürfen keine weiß-opaken Verschmutzungen mehr auf der geätzten Keramikoberfläche zurückbleiben. Danach wird silanisiert, wobei dieser Vorgang nicht zu lange dauern darf, da nur eine monomolekuleare Schicht Silan auf der Oberfläche benötigt wird. Eine zu dicke Silanschicht kann auch mit heißem Wasser abgespült werden. Danach wird mit einem Fön für eine Minute getrocknet, bis kein Oberflächenglanz mehr vorliegt. Abschließend wird das Bonding von OptiBond FL aufgetragen.
Vorbehandlung der Zähne: Die Oberflächen werden mit einem intraoralen Sandstrahler angeraut und danach mit 35 %-iger Phosphorsäure geätzt. Da das Dentin schon komplett versiegelt ist, kann vollständig getrocknet und das Bonding aufgetragen werden. Primer ist hier nicht mehr notwendig, da kein Dentin freiliegt. Die Veneers werden dann einzeln mit dem erhitzten Komposit beschickt und aufgeklebt. Die Überschüsse können bequem und ohne Zeitdruck entfernt werden, bevor die Lichthärtung über alle Flächen beginnt. Er härtet insgesamt 90 Sekunden von palatinal, je 60 Sekunden von mesio-bukkal und disto-bukkal.
Auf dem letzten Dia präsentierte sich Magne als James Bond mit der „Licence to Opti-BOND und damit schloss Pascal Magne im „adhäsiven Sinne“ seinen Workshop. Im Anschuss an den Vortrag entsteht eine rege Diskussion unter anderem zu den Themen Einkleben, Vorbehandlung der Keramik und zum Dahl’schen Prinzip. Dr. Alessandro Devigus führte durch die Fragen und dankte am Ende dem Referenten für den tollen Vortrag.
Digitale Zahnmedizin
Diagnostik, Planung und Umsetzung
Jahrestagung der NEUEN GRUPPE in Zürich
Vom 27. bis 29. Oktober 2011 tagte in Zürich zum 45. Mal die NEUE GRUPPE.
Thema der Tagung war in diesem Jahr die digitale Zahnmedizin.
Der Hauptkongress wurde am 28.10. eröffnet von
PD Dr. Ronald Jung der mit seinem Arbeitstitel
“The Digital Race (Today and Tomorrow)“
auch gleich den Rahmen spannt, in dem sich die Referenten in den nächsten beiden Tagen thematisch bewegen sollten. Auf unterhaltsame Weise inszeniert Jung den Zweikampf des digitalen und analogen Workflow, beispielhaft im Bereich der Implantologie und Implantat Prothetik. Von der prothetischen Planung, dem Imaging, der 3-D Planung, über die Schablonen, die Implantation und schließlich die endgültige Versorgung. Diese einzelnen Abschnitte der komplexen Implantatversorgung analysiert er bis ins Detail und stellt der analogen die digitale Vorgehensweise gegenüber. Sein Ergebnis ist, das schon heute beide Techniken zumindest im Zeitbedarf mindestens gleichwertig sind. Für die Zukunft, auch die nahe Zukunft, stellt Jung eine deutliche Vereinfachung des digitalen Workflow in Aussicht. Das würde in einer deutlichen Zeitersparnis gegenüber der analogen Vorgehensweise resultieren.
„Digitale Farbkommunikation in der modernen Zahnmedizin: Ein Vorteil“
(PD Dr. Stefan Paul)
Bedenkt man die Bedeutung der Farbnahme und deren Kommunikation mit dem zahntechnischen Labor in unserem täglichen Handeln, würde man modernste digitale Techniken zur Farbbestimmung als alltäglichen Gegenstand unseres zahnärztlichen Handelns als selbstverständlich erwarten. Allerdings vermittelt PD Dr. Stefan Paul eine ganz andere Realität. 80% aller Zahnärzte bestimmen die Zahnfarben anhand des Vitapan Classic Farbrings. Weiterentwickelte Systeme, die auf der 3-dimensionalen Farbtheorie und gleichmäßigen Zwischenschritten beruhen, konnten sich bislang nicht durchsetzen.
Grundsätzliche Probleme der Farbauswahl mit Kunststoff - Farbschlüsseln bestehen in der subjektiven Farbwahrnehmung des Betrachters und in den teilweise erheblichen Abweichungen selbst bei Farbringen eines Herstellers. Auch die Zuhilfenahme digitaler Fotos bei der Farbkommunikation mit dem Labor liefert meist keine optimalen Ergebnisse, weil die Fotos häufig fehlbelichtet sind und die Monitore und Kameras der jeweiligen Parteien exakt aufeinander abgestimmt sein müssen.
Digitale Farbbestimmung anhand spektrophotometrischer Geräte könnte hier die Lösung sein. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Geräte relativ teuer und die wissenschaftliche Datenlage noch sehr gering. Zudem geben die von der Industrie auf dem Markt erhältlichen Keramikmassen und Komposite noch nicht unbedingt die digital detektierten Farben auch letztlich wieder. Dennoch zeigen aktuelle Studienergebnisse einen deutlichen Hinzugewinn und Vorteile bei der adjuvanten Anwendung digitaler Farbmessgeräte gegenüber der konventionellen visuellen Farbauswahl.
„Die Endodontie im Zeitalter der digitalen Zahnmedizin“ (Dr. Frank Paque)
Frank Paques Einleitungssatz “Jetzt wird’s ein bisschen schmutziger“ ließ das Publikum schmunzeln. Paques Aufgabe war es, zu beleuchten welche Fortschritte der Endodontie in den letzten Jahren der digitalen Revolution zu verdanken sind.
Neben digitalen Instrumenten und Geräten in der täglichen Praxis wie die digitale Röntgentechnik oder die digitale Längenmessung sowie digital gesteuerten Motorsystemen spielen für Paque vor allem die digitalen Evaluationstechniken in der Wissenschaft eine große Rolle. Paque, einer der weltweit renommiertesten Forscher auf dem Gebiet des Mikro-CT, stellt hier aktuelle Ergebnisse aus den Bereichen Kanalaufbereitung, mechanische und chemische Reinigung, und Mikroanatomie der Dentition vor. Vor allem die animierten detailgenauen Darstellungen seltener Anatomien und Überlagerungsdarstellung prägen sich ins Gedächtnis ein.
„Dynamische Okklusion und virtueller Artikulator“ (Prof. Dr. Albert Mehl)
Einen ersten Überblick über den Stand der digitalen Abformung und der statischen und dynamischen Okklusionsregistrierung liefert Albert Mehl.
Gute Ergebnisse zeigen die verfügbaren Verfahren bereits im Bereich der Einzelrestaurationen. Ebenfalls mit hoher Präzision werden kleinere Brücken dargestellt. Problematisch sind die digitalen Abformverfahren derzeit noch bei großen Brücken, vor Allem bei mehr als einem Quadranten, und Implantatabformungen.
Darstellungen kompletter Kiefer sind zur Zeit noch mit zu großen Abweichungen behaftet.
Die statische Okklusion lässt sich mithilfe des optischen Matchings schon sehr gut darstellen, in der dynamischen Okklusion bedient sich Mehl derzeit noch „Umwegen“ über mechanische Verfahren.
Zukunftsweisend könnte hier die Zuordnung einer ultraschallgestützten Bewegungsregistrierung zu einem optisch gescannten Modell sein.
„Einsatz moderner 3D – Techniken in der Kieferorthopädie“
(Prof. Dr. Christos Katsaros)
Eine umfassende, konsequente Digitalisierung der kieferorthopädischen Praxis stellt Katsaros vor.
Das beginnt hier schon mit der Verwaltung: Ein self-check-in erwartet den Business-Class-verwöhnten KFO Patienten. Die Erstellung von digitalen dreidimensionalen Fotografien mit unterschiedlichen Systemen liefert beeindruckende Aufnahmen, Matching mit Röntgendaten, Überlagerungen, und Morphing werden möglich.
Dies ist wichtig für Verlaufskontrolle und Forschung aber auch für die chirurgische Planung und die Epikrise. In näherer Zukunft will Katsaros auch die 4 D Fotografie, d.h. mit integrierter Bewegung und Funktion, einführen.
Digitale Röntgentechnik ist Katsaros ebenso selbstverständlich. Standardmäßig plant er eher über 2D Aufnahmen. Für eine 3D-Kephalometrie liegen derzeit noch keine Vergleichsdaten vor. In selektionierten Fällen erstellt er auch ein DVT, lässt aber nicht unerwähnt dass aufgrund der hohen Strahlenbelastung eine enge Indikationsstellung nötig ist, zum Beispiel vor chirurgischer Therapie, bei Zahnverlagerungen oder zur Abklärung einer Ankylose. In Katsaros Praxis werden auch die Modelle digitalisiert. Das ermöglicht eine schlanke Praxisorganisation, bessere und einfachere Messmethoden und ein digitales Setup. Auch in der Behandlung selbst greift Katsaros auf digitale Verfahren zurück. Beispielhaft erwähnt er hier CadCam gefräste Apparaturen für die Lingualtechnik.
„DVT - Aktuelle Anwendungsgebiete und Limitationen“
(PD Dr. Dirk Schulze)
Der Freiburger PD Dr. Dirk Schulze führt in seinem Vortrag anhand zahlreicher klinischer Patientenfälle anschaulich die Vorteile der DVT gegenüber der PSA auf. Während in den 2D-Projektionen, bedingt durch die Überlagerungen nicht selten Fehldiagnosen oder nur Verdachtsdiagnosen resultieren, erlaubt die überlagerungsfreie Aufnahmetechnik der DVT klare Diagnosen, sofern der Betrachter über die dazu notwendigen Sachkenntnisse verfügt. Die Indikationen für DVT-Aufnahmen gehen weit über die Implantologie hinaus und erhalten immer mehr Einzug in der Kieferhöhlen-, Kiefergelenks-, Endo- und Paro-Diagnostik. Von geschätzten 20.000 weltweit im Einsatz befindlichen DVT-Geräten, befinden sich ca. 1300 Geräte im deutschsprachigen Raum, Tendenz steigend. Dem Referenten zufolge wird die Zukunft den „Flat Panel“-Geräten gehören, wobei überwiegend Kombinationsgeräte in die Praxis Einzug halten werden, bestehend aus PSA und DVT mit kleinem FOV (field of view).
„Implantat Navigation (Planung)“
(Dr. Pascal Marquardt & Dipl. - Ing. Florian Schober)
Zum Auftakt am Samstag Vormittag präsentieren Dr. Pascal Marquardt und Dipl. Ing. Florian Schober als Team den aktuellen Standpunkt der schienengeführten Implantologie. Retrospektiv betrachten die beiden Referenten die Entwicklungen repräsentativer Planungsprogramme, wie zum Beispiel Nobel Guide und Med 3D, aber auch ihre persönlichen Lernkurven mit diesen Systemen anhand ausgewählter klinischer Patientenfälle über die vergangenen Jahre. Der heutige Stand der Implantat Navigation und 3D-Planung wird insbesondere unter den Aspekten der möglichen und notwendigen Präzision einzelner Systeme beleuchtet. Die Präzision wird letztlich nicht nur bestimmt von der Planungssoftware und dem Schienensystem an sich, sondern auch maßgeblich vom verwendeten Implantatdesign, der Knochenanatomie, der anatomischen Ausgangslage und natürlich der radiologischen Qualität. Während laborgefertigte Schienensysteme sich in ihrer Gestaltung häufig komplex und personal- bzw. zeitintensiv gestalten, sind fabrikgefertigte Schienensysteme meist noch zu kostenintensiv, langsam in der Erstellung und benachteiligt durch die zentrale Fertigung. Basierend auf der Erfahrung der vergangenen Jahre wird ein neues Planungssystem „smop“, der Firma „swissmeda AG“ ausführlich vorgestellt. Herausragende Merkmale dieses neuen Systems sind eine intuitive Benutzerführung und die Möglichkeit Modelle mit einem vorab erstellten DVT zu matchen und so digital eine Bohrschablone zu designen. Diese wird mit Hilfe eines 3D-Druckers produziert. Erste Vorabuntersuchungen der Abteilung von Prof. Hämmerle, Zürich, lassen schon sehr positive Ergebnisse erkennen.
„Digitale Abformung – Möglichkeiten und Grenzen eines neuen Workflows“
(PD Dr. Irena Seiler)
PD Irena Seiler leitet mit ihrem Vortrag „Möglichkeiten und Grenzen eines neuen Workflows“ den Hauptteil der Samstags Session ein. Nach einer umfassenden Marktübersicht bewertet sie einzelne Systeme hinsichtlich der Richtigkeit und Präzision der Umsetzung. Sie stellt wiederum den analogen Workflow dem digitalen Workflow gegenüber und bewertet die Effizienz und Präzision. Laut Frau Seiler lässt sich eine sehr hohe Präzision erzielen allerdings ist dies sehr techniksensitiv. Nachteile der digitalen Techniken sind die teils noch recht sperrigen Kameras, Weichteillimitationen, eingeschränkte Platzverhältnisse im Molarenbereich, die Trockenlegung und die Dimensionsabweichungen bei Herstellung von Zahnersatz über große Spannen.
Die einzelnen Systeme wurden dann von den Herstellern präsentiert
„Innovative Restaurationsmöglichkeiten unter Einsatz der
CAD/CAM-Technologie“
(Prof. Dr. Daniel Edelhoff)
Zum Abschluss der Tagung präsentiert Herr Prof. Dr. Daniel Edelhoff aus München beeindruckende komplexe Patientenfälle, deren prothetische Rehabilitationen mit Hilfe von CAM/CAM gefertigten Werkstoffen hergestellt wurden.
Besonders der Aspekt der minimalinvasiven Versorgung von natürlichen Zähnen mit geringem oder keinem Substanzverlust wird hervorgehoben. Beeindruckende erste Ergebnisse bei der langzeitprovisorischen Versorgung von funktionsgestörten Patienten mit CAM/CAM gefertigten PMMA-Kunststoffen auf entweder unpräparierten oder nur minimalinvasiv präparierten Zähnen in Form von „table-top“-Versorgungen lassen einen deutlichen Wendepunkt in der herkömmlichen prothetischen Versorgung erahnen. Interessant erscheint hierbei der Aspekt der Weiterverwendung dieser langzeitprovisorischen CAM/CAM gefertigten PMMA-Kunststoffversorgungen als Kunststoffaufbauten für die anschließende definitive Restauration. Deutlich erkennbar an den Ausführungen des Referenten ist der Wandel von analogen Vorgehensweisen in der restaurativen Zahnheilkunde zu digitalem Vorgehen, unter Verwendung biokompatibler Materialien und minimalinvasiveren Methoden.
Insgesamt stellte die Tagung einen hervorragenden Überblick über die „digitale Zahnheilkunde“ dar. Der zu Anfang gespannte Bogen wurde mit den Vorträgen komplett geschlossen. Die digitale Zahnheilkunde hat auf breiter Front bereits jetzt in den Behandlungsalltag Einzug gehalten. Für die Zukunft sind noch große Schritte, vor Allem hin zu einfacherer Anwendbarkeit und größerer Wirtschaftlichkeit, zu erwarten.
Termine Frühjahrs- und Jahrestagungen
FJT 2012 in St. Peter-Ording
17. - 19. Mai 2012
JT 2012 in Hamburg
22. -24. November 2012
FJT 2013 am Timmendorfer Strand
1. - 4. Mai 2013
JT 2013 in Hamburg
21. - 23. November 2013